Portrait: Gelbliche Schneemücke


In den letzten Wochen nach dem starken Schneefall konnte im Felmer Moos zum ersten Mal mehrmals ein merkwürdiges Insekt beobachtet werden. Das ca. 1cm große Tier lief bei leichtem Frost eilig auf der harten Schneedecke. Die Ähnlichkeit mit Spinnen ist dabei sicherlich kein Zufall.

Gelbliche Schneemücke (Chionea lutescens)
Gelbliche Schneemücke (Chionea lutescens)

Schneemücken sind Relikte aus der Eiszeit. Ihre Komfort-Temperatur liegt zwischen -10 ° und 0 °. Wird es zu warm, sterben sie schnell. Obwohl Wintermücken zu den Zweiflüglern gehören, haben sie keine Flügel mehr, nur Schwingkolben.

Da es im Hochwinter keine Fressfeinde gibt, wäre Fliegen nur ein energieverzehrender Luxus. Nahrung nehmen sie als Imago nämlich auch nicht mehr auf. Sobald sich Männchen und Weibchen begegnen, kommt es umgehend zur Paarung. Für Spielchen ist da im Hochwinter keine Zeit.

Vermutlich leben die Tiere in Hohlräumen zwischen Schneedeckenunterseite und dem gefrorenen Boden. Besonders wichtig scheinen Kleinsäugerbauten zu sein, da die Larven sich wohl von Kot, Haarresten etc. ernähren.

Die wenigen bisherigen bayerischen Nachweise stammen überwiegend aus Moorlandschaften des Allgäus. Diese sind ja auch „Kinder der Eiszeit“. Warum die Tiere lange Strecken über Schnee laufen, ist übrigens noch ein Rätsel.

Gelbliche Schneemücke (Chionea lutescens)
Gelbliche Schneemücke (Chionea lutescens)

Fotos: Ralf-Peter Winkler